Was ist CoT?


Com­mit­ments of Traders wird im Börsen­jar­gon oft abgekürzt CoT genan­nt und bedeutet zu Deutsch in etwa “Engage­ment der Händler”. Jed­er Teil­nehmer, der sich an ein­er US-Börse engagiert und bes­timmte Kri­te­rien erfüllt, muss seine offe­nen Posi­tio­nen ein­er Auf­sichts­be­hörde mit­teilen. Diese Posi­tio­nen wer­den anschließend wöchentlich jeden Fre­itag gegen 21:30 Uhr europäis­cher Zeit veröf­fentlicht.

Der Name dieser Behörde lautet Com­mod­i­ty Futures Trad­ing Com­mis­sion und ist in der Regel in der Kurz­form CFTC bekan­nt. Es han­delt sich hier­bei um die unab­hängige Behörde für den Futures-Han­del in den USA. Mehr darüber kön­nen Sie unter der Web­site der CFTC erfahren.

Die Posi­tio­nen, welche die Händler an diese Behörde über­mit­teln, wer­den in einem soge­nan­nten Com­mit­ments of Traders – Report (bzw. CoT-Report) veröf­fentlicht und ste­hen allen kosten­los zur Ver­fü­gung. Das Beson­dere hier­bei ist, dass diese Daten zwar jeden Fre­itag pub­liziert wer­den, sie jedoch keineswegs bran­dak­tuell sind. Vielmehr stam­men die Daten vom jew­eili­gen Dien­stag und wer­den mit ein­er Ver­spä­tung von mehreren Tagen bekan­nt gemacht. Und bis in das Jahr 1990 wur­den die Daten sog­ar mit ein­er Ver­spä­tung von einem Monat veröf­fentlicht!

Wozu das Ganze?

Das Ziel des Com­mit­ments of Traders – Reports ist es, der Öffentlichkeit eine Trans­parenz über die Aktiv­itäten der Mark­t­teil­nehmer zu gewährleis­ten. Dadurch sol­len die Inve­storen vor Manip­u­la­tio­nen und Betrug im Futures-Markt geschützt wer­den. Dass man den Report auch im Trad­ing ver­wen­den kann, ist eher ein Neben­pro­dukt.

Für welche Futures wer­den die Daten erhoben?

Die Daten wer­den für alle Märk­te erhoben, in denen es Futures oder Future-Optio­nen gibt, die auss­chließlich in den USA gehan­delt wer­den. D.h. europäis­che, asi­atis­che oder son­stige nicht US-amerikanis­che Futures wer­den hier nicht berück­sichtigt. Zweit­ens, es müssen in einem Markt min­destens 20 pro­fes­sionelle Händler aktiv sein.

Wer ist für den Com­mit­ments of Traders – Report meldepflichtig?

Engagieren sich min­destens 20 Händler in einem bes­timmten Markt, dann wird jed­er von Ihnen erfasst bzw. ist verpflichtet, seine offe­nen Posi­tio­nen anonym offen­zule­gen, der fol­gen­de Kri­te­rien erfüllt:

  1. Sie müssen an ein­er US-Börse han­deln
  2. Sie müssen eine bes­timmte Anzahl an Kon­trak­ten hal­ten. Die Zahl vari­iert je nach Rohstoff / Pro­dukt. Beispiel­sweise muss ein Händler, der Weizen han­delt, seine Daten über­mit­teln, wenn er min­destens 150 Kon­trak­te offen hält. Eine Über­sicht dieser soge­nan­nten report­ing lev­els ist bei der CFTC hin­ter­legt und hier kön­nen Sie sie ein­se­hen. Wem die Ansicht nicht gefällt, der kann auf diese Seite zugreifen. Dort ist die Auflis­tung schön­er auf­bere­it­et.

Wer sind die Mark­t­teil­nehmer, welche die Daten an die CFTC über­mit­teln?

Bis zum Jahr 2009 unter­schied die Com­mod­i­ty Futures Trad­ing Com­mis­sion in ihrem Bericht zwis­chen drei großen Parteien:

  1. Com­mer­cials
    Die soge­nan­nten Com­mer­cials wer­den in zwei weit­ere Grup­pen aufgeteilt: in die Pro­duzen­ten und die Ver­ar­beit­er. Zu den Pro­duzen­ten gehören solche Unternehmen wie z.B. Farmer, Erzförder­er, Ölförder­er usw. Mit anderen Worten alle, die den Rohstoff pro­duzieren oder zu Tage fördern.
    Zu den Ver­ar­beit­ern zäh­len beispiel­sweise Großbäck­ereien, Lebens­mit­tel­her­steller und so weit­er und so fort. D.h. die Ver­ar­beit­er erzeu­gen nicht den Rohstoff, son­dern nehmen ihn und ver­ar­beit­en ihn weit­er zu irgen­deinem Pro­dukt.
  2. Large spec­u­la­tors, auch Non-Com­mer­cials genan­nt
    Dazu zäh­len beispiel­sweise Invest­ment­fonds oder Hedge Fonds
  3. Non reporta­bles
    In diese Grup­pe gehören alle, die NICHT in die Grup­pe 1 oder 2 gehören, z.B. die pri­vaten Händler

Seit 2009 hat die CFTC die Ein­stu­fung der Grup­pen ver­fein­ert und unter­schei­det im neuen Report zunäch­st zwis­chen zwei Märk­ten. In den Märk­ten, die KEINE Finanzmärk­te sind, gibt es im neuen Report fol­gen­den Kat­e­gorien1):

  1. Pro­duc­er / Mer­chants
    Die Pro­duc­er sind, wie schon im alten Report, die Com­mer­cials auf der Pro­duzen­ten­seite und die Mer­chants auf der Ver­ar­beit­er­seite. Der Unter­schied zum alten Report ist lediglich der, dass wir uns nicht mehr im Hin­terkopf behal­ten müssen, dass die Com­mer­cials sich unterteilen, son­dern es wird jet­zt aus­geschrieben.
  2. Swap Deal­er
    Diese Kat­e­gorie ist neu und sie wur­de nach der Finanzkrise im Rah­men der Wall Street Reform in den CoT-Report inte­gri­ert.
  3. Mon­ey Man­ager
    Dazu zäh­len zum Beispiel große Hegde Fonds und Ver­mö­gensver­wal­ter oder auch Parteien, welche im Namen ihrer Kun­den mit Futures traden.
  4. Oth­er Reporta­bles
    Alle anderen meldepflichti­gen Mark­t­teil­nehmer, welche nicht in die ersten drei Kat­e­gorien passen. Dazu kön­nen z.B. ver­mö­gen­de pri­vate Trader zäh­len, welche in der Lage sind, viele Kon­trak­te offen zu hal­ten und dadurch die Meldepflicht erre­ichen.

In den Märk­ten, welche zu den Finanzmärk­ten zäh­len, wird zwis­chen der soge­nan­nten sell-side und der buy-side of the mar­ket unter­schieden. Im neuen Report gibt es dem­nach fol­gen­de Kat­e­gorien2):

  1. Deal­er / Inter­me­di­ary (sell-side of the mar­ket)
    Diese Grup­pierung kann, muss aber keine Futures han­deln. Vielmehr kreieren sie unter­schiedliche Finanzpro­duk­te und bieten sie am Markt an. Sie ver­suchen hier­bei, das eige­nen Risiko stark zu min­imieren und wo es nur möglich ist, auf ihre Kun­den zu verteilen. Eigentlich kann man sagen, dass dieser Per­so­n­enkreis risikolos unter­wegs ist. Dazu zäh­len sehr häu­fig große Banken, Swap Deal­er oder große Aktien­händler.
  2. Asset Man­ager / Insti­tu­tion­al (buy-side of the mar­ket)
    Hierzu zäh­len beispiel­sweise insti­tu­tionelle Inve­storen, Pen­sion­skassen, diverse Ver­sicherungs­ge­sellschaften, Invest­ment­fonds usw.
  3. Lever­aged Funds (buy-side of the mar­ket)
    In diese Kat­e­gorie fal­l­en unter­schiedliche Arten von Ver­mö­gensver­wal­tun­gen, Hedge Fonds und beispiel­sweise auch unreg­istri­erte Fonds, welche durch die CFTC iden­ti­fiziert wur­den. Im Grun­de sind es die Mon­ey Man­ager, welche lediglich einen anderen Namen tra­gen, weil sie sich in den Finanzmärk­ten bewe­gen.
  4. Oth­er Reporta­bles (buy-side of the mar­ket)
    Hier­auf ent­fal­l­en alle Mark­t­teil­nehmer, welche NICHT in die oben erwäh­n­ten Kat­e­gorien passen. Beispiel­sweise zäh­len dazu Zen­tral­banken, Hypotheken­stel­len, Kred­it­stel­len usw.

Warum wird im neuen Report zwis­chen den Finanzmärk­ten und den NICHT Finanzmärk­ten unter­schieden?

Im Rohstoff­bere­ich ist es ein­fach auszu­machen, wer zu den Com­mer­cials gehört. Diese Grup­pe besitzt die Ware physis­ch (egal ob als Rohstoff oder End­pro­dukt) und man kann sie recht ein­fach iden­ti­fizieren. In den Finanzmärk­ten sieht die Sache jedoch anders aus. Denn hier gibt es keine physis­che Ware. Wer ist somit der Com­mer­cial und wer der Large Spec­u­la­tor? Aus diesem Grund hat die CFTC die Finanzmärk­te von den anderen Märk­ten getren­nt.

Woraus beste­ht der CoT-Report?

Der Com­mit­ments of Traders – Report beste­ht aus den Net­to-Posi­tio­nen der Mark­t­teil­nehmer und aus dem soge­nan­nten Open Inter­est.

Um Ihnen ein Beispiel zu den Net­topo­si­tio­nen zu geben, betra­cht­en wir die Abbil­dung. Auf der linken Seite sehen wir die Com­mer­cials, die 100 TSD Kon­trak­te als Long­po­si­tio­nen hal­ten. Auf der recht­en Seite sehen wir eben­falls die Com­mer­cials, jedoch diejeni­gen, welche Short gegan­gen sind und wir sehen, dass sie 80 TSD Kon­trak­te offen haben. Als Dif­ferenz zwis­chen 100 TSD und 80 TSD erhal­ten wir 20 TSD Kon­trak­te, welche auf der Long-Seite mehr sind.
Diese 20 TSD stel­len die Net­topo­si­tion dar. Um genau zu sein spricht man in diesem Fall von ein­er Net­to-Long-Posi­tion. Wür­den die Short-Kon­trak­te über­wiegen, dann wäre von ein­er Net­to-Short-Posi­tion die Rede.

Auf das Open Inter­est werde ich in einem Extra-Beitrage einge­hen, da das The­ma hier son­st den Rah­men spren­gen würde.

Wie sieht der CoT-Report aus?

Alte Ver­sion des CoT-Reports (Kurz­form)

Sowohl den alten als auch den neuen Report gibt es in ein­er Kurz­form und in ein­er aus­führlichen Form. In der ersten Abbil­dung sehen Sie die alte Ver­sion des Reports in sein­er Kurz­form (Baum­wolle). Dort sind die Non-Com­mer­cials, die Com­mer­cials und ganz rechts die Non-Reporta­bles aufge­lis­tet.

Neue Ver­sion des CoT-Reports (Kurz­form)

In der zweit­en Abbil­dung sehen Sie die neue, dif­feren­ziert­ere Ver­sion des CoT-Bericht­es für Weizen (eben­falls in der Kurz­form). Wie Sie unschw­er erken­nen kön­nen, han­delt es sich um einen Report aus einem nicht finanzgeprägten Markt. Aus diesem Grund sind hier auch keine Lever­aged Funds oder ähn­lich­es aufge­führt, son­dern die Pro­duc­ers / Mer­chants sowie die Swap Deal­er usw. In bei­den Reports sehen Sie sowohl die Net­to-Posi­tio­nen als auch das Open Inter­est.

Wenn Sie sich diese Abbil­dun­gen betra­cht­en, denke ich, dass es Ihnen ver­mut­lich so wie mir geht und ich kann mit Recht behaupten, dass dieser Zahlen­fried­hof recht unüber­sichtlich ist. Glück­licher­weise gibt es auf­bere­it­ete grafis­che Darstel­lun­gen des CoT-Bericht­es und so sehen die CoT-Daten beispiel­sweise im alten Report grafis­ch aus:

Quelle: www.timingcharts.com

Anhand der grü­nen (large spec­u­la­tors), blauen (com­mer­cials) und der roten (non-reporta­bles) Lin­ie kann man somit ganz klar erken­nen, welcher Mark­t­teil­nehmer welche Net­to-Posi­tio­nen offen hat.

Der neue Report sieht dem­nach entsprechend detail­liert­er aus und bietet einen dif­feren­ziert­eren Ein­blick in die Posi­tion­ierung der Mark­t­teil­nehmer:

Quelle: www.barchart.com

Han­delt es sich hier­bei um einen Indika­tor?

Die Antwort ist ein­deutig: Nein, beim Com­mit­ments of Traders han­delt es sich NICHT um einen Indika­tor. Selt­samer­weise wird er von vie­len Tradern als solcher emp­fun­den. Vielmehr han­delt es sich hier­bei um einen Rich­tungsweis­er und mit sein­er Hil­fe kann man grafis­ch sehr gut erken­nen, wie die Profis sich posi­tion­ieren und wo Trendwech­sel stat­tfind­en kön­nten. Die Beto­nung liegt auf “kön­nten”. D.h. der CoT-Report stellt wed­er einen Indika­tor, noch ein Tim­ing-Werkzeug dar.

Wenn es darum geht, das Tim­ing zu bes­tim­men, so gibt es da draußen etliche Indika­toren. Dazu brauchen Sie nur ein paar Bücher zur Chart­tech­nik zu lesen. Schauen Sie ein­fach in meinen Empfehlungs­bere­ich, wenn Sie mehr über die Chart­tech­nik erfahren möcht­en.

Wie kann der Com­mit­ments of Traders – Report im Trad­ing genutzt wer­den?

Es herrscht in der Trader­welt eine Mei­n­ung, dass der CoT-Report zu kom­pliziert und zu unge­nau sei. Aus diesem Grund wird ihm oft von Vie­len wenig Beach­tung geschenkt. Doch diese Annah­me, dass der CoT-Report zu kom­pliziert ist, beruht darauf, dass viele ihn falsch ein­set­zen. Denn die Meis­ten betra­cht­en ihn als ein Tim­ing-Werkzeug, was er, wie ich bere­its erwäh­nt hat­te, nicht ist. Hat man begrif­f­en, dass es sich hier­bei um etwas anderes als ein Indika­tor han­delt und sich damit tief­gründi­ger beschäftigt, wird eines klar:

Der CoT-Report ist eine sehr wichtige Infor­ma­tion­squelle über­haupt! Warum? Ganz ein­fach: anhand dieses Reports kön­nen wir sehen, wie die großen und kleinen Mark­t­teil­nehmer sich im Markt posi­tion­ieren und kön­nen so für uns nüt­zliche Rückschlüsse daraus ziehen. Ins­beson­dere die Com­mer­cials sind für uns von großem Nutzen, denn diese Grup­pierung ver­fügt über einen enor­men Wis­sensvor­sprung gegenüber anderen Mark­tak­teuren, auf­grund ihre Nähe zu dem, wom­it sie ihr Geld ver­di­enen, näm­lich mit den Rohstof­fen oder dem Ver­ar­beit­en von Rohstof­fen.
Dies heißt natür­lich nicht, dass die Com­mer­cials immer Recht haben. Das tun sie auf keinen Fall! Beispiel­sweise liegen sie im Gold in ca. 30% aller Fälle falsch. Doch dies nur auf kurzfristige Sicht. Langfristig liegen die Com­mer­cials in der Regel über­wiegend richtig und aus diesem Grund wer­den sie von den anderen pro­fes­sionel­len Mark­t­teil­nehmern genauestens beobachtet.

Wie das Ganze funk­tion­iert, werde ich in einem der kom­menden Beiträge erk­lären. Seien Sie sich jedoch jet­zt schon bewußt, dass die Infos auf mein­er Web­site nicht aus­re­ichen wer­den, damit Sie sich mit dem The­ma CoT gut ausken­nen. Ich kann Ihnen nur den Ein­stieg erle­ichtern und die den Weg weisen. Den Rest müssen Sie sel­ber erledi­gen und kön­nten beispiel­sweise mit der Lit­er­atur begin­nen, die ich in meinem Empfehlungs­bere­ich beschrieben habe (siehe Bücher von Lar­ry Williams und Steve Briese). Darüber hin­aus müssen Sie die CoT-Reports regelmäßig ver­fol­gen, damit Sie ein Gefühl bekom­men, wie der jew­eilige Markt sich ver­hal­ten kön­nte. Denn die CoT Zahlen funk­tion­ieren nicht wie eine Sch­ablone. Es ist vielmehr so, dass jed­er Markt auf seine eigene Weise tickt.

Zusam­men­fas­sung

  • Der Com­mit­ments of Traders – Report ist kein Indika­tor und kein Tim­ing-Werkzeug, son­dern eine Infor­ma­tion­squelle, welche die Tren­drich­tung zeigt und mögliche Trendwech­sel andeutet
  • Anhand dieser Infor­ma­tions­daten­bank sieht man, wie die großen Mark­t­teil­nehmer sich im Markt posi­tion­ieren
  • Sehr viele Trader befassen sich mit dem CoT-Report nur ober­fläch­lich. Das kann den­jeni­gen, die sich mit dem CoT regelmäßig und tief­gründi­ger befassen, einen Wet­tbe­werb­svorteil ver­schaf­fen
  • Die Kun­st des Lesens des CoT-Reports beste­ht dar­in, ihn mit unter­schiedlichen Indika­toren zu kom­binieren, um festzustel­len, an welcher Stelle man in den Markt ein­treten kann

     Impres­sum