Mit Aktienoptionen sich für das Warten bezahlen lassen

Hal­lo Leute,
vielle­icht waren Sie auch schon ein­mal in dieser Sit­u­a­tion: Sie haben eine Aktie gefun­den, die Ihnen gefällt und Sie wür­den sie gerne kaufen. Doch das Einzige, was Sie davon abhält, ist der Preis, der zum gegen­wär­ti­gen Zeit­punkt unat­trak­tiv ist. Was Sie jet­zt tun kön­nen, ist die Aktie den­noch zu kaufen. Die andere Möglichkeit wäre abzuwarten, bis der Preis Ihren per­sön­lichen fairen Wert erre­icht hat, bis das Kurs-Gewinn-Ver­hält­nis (KGV) einen annehm­baren Wert annimmt usw. Doch wussten Sie, dass Sie sich für das Warten durch den Verkauf von Aktienop­tio­nen bezahlen lassen können?

Die Rechte und die Pflichten aus dem Optionsverkauf

Bevor wir ich Ihnen erk­läre, wie Sie durch den Verkauf von Aktienop­tio­nen die Wartezeit “über­brück­en” kön­nen, soll­ten wir einen Blick auf die Rechte und Pflicht­en im Option­s­geschäft wer­fen. Dabei wer­den wir uns nur auf den Optionsverkauf konzen­tri­eren und lassen den Option­skauf außer Acht, da er uns in diesem einen Fall nicht interessiert.

Grund­sät­zlich gilt, dass wenn Sie Optio­nen verkaufen (egal ob auf Aktien oder auf Futures), Sie stets eine Verpflich­tung einge­hen, etwas zu tun, wenn eine Gewisse Sit­u­a­tion ein­tritt. Ich nenne diese Sit­u­a­tion vere­in­facht “Schaden”, um es für Börsen­neulinge ver­ständlich­er zu machen. Die fort­geschrit­te­nen Option­shändler wer­den wis­sen, was ich meine.
Verkaufen Sie Calls, d.h. Optio­nen ober­halb des aktuellen Kurs­es, dann kassieren Sie eine Prämie und verpflicht­en sich, wenn der “Schaden” ein­tritt, die Aktie zu einem bes­timmten Preis zu verkaufen. Und wann tritt dieser soge­nan­nte “Schaden” ein? Wenn der Kurs der Aktie den Strike über­schrit­ten hat.

Ein ein­fach­es Beispiel: Angenom­men, Sie besitzen 100 Aktien von Apple und der Kurs liegt bei ca. 156,- Dol­lar (siehe Abbil­dung). Sie verkaufen eine Option darauf mit ein­er Laufzeit von 47 Tagen und sagen, dass der Strike bei 160,- Dol­lar liegen soll (siehe rote Lin­ie). Warum aus­gerech­net 47 Tage und nicht mehr oder weniger? Das ist nur ein Beispiel und im weit­eren Ver­lauf dieses Artikels wird es deut­lich­er, wie diese Zahl zus­tande kommt.

Dafür, dass Sie eine Verpflich­tung einge­hen, um im “Schadens­fall” zu haften, wür­den Sie eine bes­timmte Prämie ein­nehmen. Wenn der Aktienkurs in den näch­sten 47 Tagen den Strike von 160,- Dol­lar NICHT über­schre­it­et, kön­nen Sie die Prämie behalten.

Was ist aber, wenn der Aktienkurs den Strike von 160,- Dol­lar über­schre­it­et und nach Ablauf der 47 Tage bei sagen wir, 165,- Dol­lar notiert? Dann kom­men Sie als Still­hal­ter ins Spiel und müssen nun Ihrer Pflicht nachkom­men. Denn irgend­je­mand hat die Option, die Sie verkauft hat­ten, schließlich gekauft. Der Kauf der Option berechtigt den Käufer, die Aktie von Apple zu einem Preis von 160,- Dol­lar zu kaufen, sofern der Aktienkurs die Gren­ze von 160,- über­schrit­ten hat und nach dem Ablauf der 47 Tage darüber geblieben ist. Für Sie bedeutet es in diesem Fall, dass Ihr Bro­ker Ihre 100 Apple-Aktien von Ihrem Kon­to abbucht und Ihnen dafür 16.000,- Dol­lar gutschreibt.

Der­jenige, der die Option von Ihnen gekauft hat, bekommt 16.000,- Dol­lar von seinem Kon­to abge­bucht und dafür erhält er Ihre 100 Aktien auf das Kon­to hinzuge­bucht und kann diese am Markt für 165,- Dol­lar verkaufen. Dadurch würde er pro Aktie einen Gewinn von 5,- Dol­lar machen.

Falls Sie sich fra­gen: Was ist, wenn Sie die Aktie von Apple gar nicht besitzen und eine Option darauf verkaufen – was passiert im Schadens­fall? In diesem Fall passiert fol­gen­des: Ihr Bro­ker holt sich die Aktie auf dem freien Markt und bezahlt sie mit Ihrem Geld. Anschließend bucht er sie dem Option­skäufer zu. Dies bedeutet, dass Sie in diesem Fall 16.500,- Dol­lar im Minus wären. Aus diesem Grund soll­ten Sie Optio­nen ober­halb des Aktienkurs­es ide­al­er­weise dann verkaufen, wenn Sie die Aktie auch tat­säch­lich besitzen.

Wie sieht es nun mit der Seite unter­halb des Kurs­es aus, der soge­nan­nten Put-Zone? Als Optionsverkäufer von Puts gehen Sie nicht die Verpflich­tung ein, die Aktie zu verkaufen, son­dern umgekehrt. Sie müssen Sie kaufen, wenn der Kurs den Strike erre­icht oder über­schre­it­et. An dieser Stelle näh­ern wir uns unserem Kernthema.

Mit Aktienoptionen sich die Wartezeit bezahlen lassen

Wir bleiben bei der Apple-Aktie und wir nehmen an, dass Sie diese Aktie noch nicht besitzen und gerne kaufen wür­den. Doch der Preis von 156,- Dol­lar erscheint Ihnen zu hoch. Welch­er Preis für Sie als akzept­abel erscheint, das kön­nen natür­lich nur Sie wis­sen und bevor Sie eine Aktie kaufen möcht­en, soll­ten Sie das Unternehmen nach fun­da­men­tal­en Gesicht­spunk­ten unter­suchen, oder wie Peter Lynch in seinem Buch “One up on Wall Street” schreibt, die Sto­ry prüfen.

Um unser Beispiel fort­führen zu kön­nen und es ein­fach zu hal­ten, werde ich mich nur auf den KGV konzen­tri­eren. Fol­gt man den erfol­gre­ichen Inve­storen, so heißt es beispiel­sweise in Ben­jamin Gra­hams Buch “Intel­li­gent Investieren”, dass ein KGV von ca. 15 akzept­abel sei. Peter Lynch schreibt dage­gen in “One up on Wall Street”, dass diese Ver­all­ge­meinerung für ihn keinen Sinn macht, denn hier unter­schei­det er zwis­chen Unternehmen, die nur noch langsam wach­sen, die schnell wach­sen und diejeni­gen, die zyk­lisch sind.

Wie dem auch sei, ich bleibe bei Ben­jamin Gra­ham und führe unser Beispiel fort, indem wir annehmen, dass wir nach einem KGV von 15 streben. Apple notiert bei einem KGV von 18,26 (siehe Abbil­dung). Welchen Kurs müsste Apple nun haben, wenn der Gewinn gle­ich bliebe, damit der KGV den Wert von 15 bekäme?

Quelle: www.finviz.com

Dies lässt sich ganz ein­fach wie fol­gt aus­rech­nen: 15 x 156,- / 18,26 = 128,15 Dollar

Dies bedeutet, dass wenn wir nur nach nur dem KGV gin­gen, müssten wir abwarten, bis der Aktienkurs von Apple auf die Marke von ca. 128,- Dol­lar fall­en müsste. Und hier kom­men unsere Aktienop­tio­nen ins Spiel.

Solange wir warten, kön­nten wir nun eine Put-Option mit dem Strike von 128 verkaufen. Wie hoch wäre die Prämie für diesen Strike? Dazu müssen wir wieder die Soft­ware bemühen und jet­zt wird auch klar, warum ich anfangs 47 Tage gewählt habe. Sehen Sie sich bitte die einzel­nen Reit­er mit den Laufzeit­en an. Es gibt keine andere Möglichkeit, als die Tage in einem bes­timmten Inter­vall zu wählen. Und so sehen wir, dass wir für eine Option mit ein­er Laufzeit von 47 Tagen eine Prämie zwis­chen 8 US-Cent und 13 US-Cent pro Stück bekä­men (siehe Abbil­dung). Da eine Aktienop­tion immer einen Hebel von 100 hat, wür­den wir ins­ge­samt zwis­chen 8,- und 13,- Dol­lar kassieren. Klingt nach recht wenig, nicht wahr? Doch das ganze lässt sich auf zwei Wegen verbessern.

Option Chain Apple

Quelle: Trad­er Work Station

Zum einen kön­nten wir die Laufzeit der Option ver­längern. Nehmen wir beispiel­sweise die näch­st­mögliche Laufzeit von 96 Tagen. Bei dieser Laufzeit gibt es den Strike von 128 noch nicht und so wählen wir den Strike, der der Zahl 128 am näch­sten kommt und wir sehen, dass es der Strike von 130 ist. Für diese verkaufte Option wür­den wir zwis­chen 50,- und 51,- Dol­lar erhalten.

Option Chain Apple

Quelle: Trad­er Work Station

Für den einen oder anderen kön­nte auch diese Summe zu ger­ing erscheinen. Doch Sie soll­ten bedenken, dass Sie diesen Vor­gang mehrmals pro Jahr durch­führen kön­nen und was anfangs wie ein Tropfen auf den heißen Stein erscheint, kann sich am Ende des Jahres zu einem net­ten Sümm­chen aufad­dieren und kann als eine zusät­zliche Ren­dite ange­se­hen werden.

Die zweite Möglichkeit, eine höhere Prämie einzunehmen beste­ht darin, die Option zu verkaufen, wenn die implizite Volatil­ität hoch ist. Bei Aktien ist sie in der Regel einen Tag vor der Bekan­nt­gabe der Quar­tal­szahlen am Höch­sten. Lesen Sie hierzu auch meinen Artikel “Wie Sie von den Quar­tals­bericht­en Prof­i­tieren kön­nen (Teil 2)”. In unserem Beispiel liegt die implizite Vola bei ca. 26.


Was passiert, wenn der Kurs den von uns favorisierten Strike von 128,- Dol­lar erre­icht und an dem Tag, an dem die Option aus­läuft, bei 128,- Dol­lar ste­hen bleibt? Dann bekom­men Sie die Aktien von Apple zum Preis von 128,- Dol­lar von Ihrem Bro­ker automa­tisch auf Ihr Kon­to gebucht.

Was ist, wenn der Kurs 128,- Dol­lar erre­icht und anschließend sagen wir, auf 120,- Dol­lar fällt? Bekom­men Sie die Aktie für 120,- Dol­lar? Nein, das nicht, denn mit dem Verkauf der Option und der Ein­nahme der Still­hal­ter­prämie haben Sie sich verpflichtet, die Aktie für 128,- Dol­lar zu kaufen und für keinen Cent weniger. Das ist nun mal die Funk­tion­sweise der Optionen.
An dieser Stelle gibt es jedoch nicht wirk­lich einen Grund zur Beschw­erde. Denn unser Zielkurs war ja 128,- Dol­lar. Sich­er, bei einem Kurs von 120,- Dol­lar hät­ten wir die gle­iche Menge zu einem gün­stigeren Preis erhal­ten. Doch ist das als langfristiger Investor das Ziel? Diese Frage ist mit einem “Nein” zu beantworten.

Im Langfristin­vest­ment (val­ue invest­ing) geht es nicht darum, ein Wert­pa­pi­er auf den Cent genau zu einem bes­timmten Preis zu erwer­ben. Und es geht auch nicht darum, ständig dem gün­stigeren Preis nachzujagen.
Das Ziel ist es, die Aktie zu einem fairen Wert zu erwer­ben. Unser per­sön­lich­er fair­er Wert in diesem Beispiel lag bei 128,- Dol­lar und den haben wir bekommen.
Dass die Aktie viel gün­stiger hätte gekauft wer­den kön­nen, das spielt über­haupt keine Rolle. Denn erstens, man kann immer noch nachkaufen und zweit­ens, wie ich in dem Beitrag “Soll ich jet­zt noch Aktien kaufen?” geschrieben habe, steigen die Kurse auf langfristige Sicht und es wäre unter nor­malen Umstän­den nur eine Frage der Zeit, bis der Kurs von 120,- Dol­lar auf 128,- Dol­lar angestiegen wäre.

Zusammenfassung

  • Der Verkauf von Optio­nen ist immer mit Pflicht­en verbunden
  • Im Gegen­zug dafür erhal­ten Sie eine soge­nan­nte Stillhalterprämie
  • Möcht­en Sie eine Aktie kaufen, die Ihnen zu teuer erscheint, kön­nen Sie sich für das Warten bezahlen lassen, indem Sie Aktienop­tio­nen verkaufen
  • Um genau zu sein, verkaufen Sie Put-Optionen
  • Die einzel­nen Ein­nah­men mögen als zu ger­ing erscheinen. Verkauft man jedoch die Puts mehrmals im Laufe des Jahres und nicht nur auf eine Aktie, kön­nten sich diese Einkün­fte zu ein­er annehm­baren Zusatzren­dite entwickeln

Dis­claimer

Dieser Beitrag dient rein infor­ma­tiv­en Zweck­en. Ich besitze keine Aktien von den in diesem Beitrag erwäh­n­ten Unternehmen und habe auch nicht vor, in den näch­sten 30 Tagen Aktien der erwäh­n­ten Unternehmen zu erwer­ben. Ich erhalte zudem auch kein­er­lei Vergü­tung von den aufge­lis­teten Unternehmen dafür, dass ich sie in diesem Beitrag namentlich benenne.

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