Was bewirkt der CoT-Index beim CoT-Report?

Hal­lo Leute,
um den CoT-Report zu ver­ste­hen, muss man wirk­lich kein Genie sein. Man muss sich nur lange genug damit beschäfti­gen und die Mark­t­teil­nehmer studieren. Allerd­ings liegt die Schwierigkeit an ein­er ganz anderen Stelle. Denn etwas zu ver­ste­hen ist eine Sache; daraus Erken­nt­nisse abzuleit­en eine völ­lig andere. Aus diesem Grund haben ein paar schlaue Leute sich Gedanken gemacht, wie man sich dabei behil­flich sein kann und sie haben einige Werkzeuge hier­für entwick­elt. Eines dieser Werkzeuge ist beispiel­sweise der soge­nan­nte CoT-Index. Was das ist und wie Ihr den Index ein­set­zen kön­nt, erfahrt Ihr in diesem Beitrag.

Was ist der CoT-Index und welchen Nutzen hat er?

Bere­its im Artikel “So kön­nen Sie den CoT-Report lesen” habe ich erk­lärt, wie man den CoT-Report liest und geschrieben, dass man nach den Extrem-Dat­en Auss­chau hal­ten sollte. Und wir haben auch gese­hen, dass obwohl die Com­mer­cials, denen wir bevorzugt fol­gen, über län­gere Zeiträume Extrem­po­si­tio­nen auf­bauen. Die Tren­dumkehr kann den­noch erst mehrere Wochen oder gar Monate später erfol­gen. D.h. hier ist viel Spiel­raum für Inter­pre­ta­tio­nen gegeben. Dies hat zur Folge, dass an dieser Stelle falsche Schlüsse zu ziehen, sich neg­a­tiv auf das Trad­ing-Ergeb­nis auswirken kann. Der CoT-Index wurde deshalb entwick­elt, um eben die son­st “graue” Betra­ch­tungsweise und die indi­vidu­ell inter­pretier­bare CoT-Analyse mehr schwarz-weiß zu gestal­ten.


Der Nutzen des CoT-Index liegt zum einen darin, dass er die Posi­tion­ierun­gen der Com­mer­cials, die in Kon­trak­tzahlen aus­ge­drückt wer­den, auf eine einzige Zahl reduziert und so schnell aufzeigt, wie stark die Com­mer­cials inner­halb ein­er Woche bull­ish oder bear­ish posi­tion­iert waren. Dabei stellt der Wert eine Prozentzahl dar und so reicht es aus, nur einen Blick darauf zu wer­fen, um die Posi­tion­ierung der Com­mer­cials bess­er einzuschätzen. Der Index wird entwed­er als ein His­togramm, als eine Lin­ie oder als ein­fache Prozentzahl dargestellt und im Grunde fungiert er als eine Art Implied Volatil­i­ty Rank (IVR). Sehen wir uns nun ein paar grafis­che Darstel­lun­gen an, um den CoT-Index bess­er zu ver­ste­hen.

Begin­nen wir mit der Darstel­lung als His­togramm und ziehen als Beispiel den CoT-Report auf Gold her­an:

Quelle: www.commitmentsoftraders.org

Wie Ihr anhand der Abbil­dung erken­nen kön­nt, geht die Skala von 0% bis 100%, und die Mitte befind­et sich bei 50%, welche sozusagen als der Nullmerid­i­an funk­tion­iert.

Sehen wir uns den gle­ichen CoT-Report auf Gold und den CoT-Index als ein Lin­ien­di­a­gramm an. Beachtet bitte, dass ich bei den Abbil­dun­gen immer wieder den Anbi­eter der CoT-Dat­en wech­seln musste, denn jed­er Anbi­eter hat seine eige­nen Präferen­zen.

Quelle: www.timingcharts.com

Auch hier ist der Bere­ich von 0% bis 100% definiert, während die 50%-Linie als der Nullmerid­i­an gilt.

In der let­zten Abbil­dung sieht man den CoT-Index als eine reine Prozentzahl.

Quelle: www.cotbase.com

Wie Ihr seht, jede dieser drei Abbil­dun­gen zeigt den CoT-Index anders an. Es han­delt sich jedoch immer um diesel­ben Werte und lediglich die Optik ist anders. Deshalb ist  es jedem selb­st über­lassen, welche Darstel­lung man bevorzugt.

Der weit­ere Nutzen des CoT-Index liegt darin, dass er hil­ft, die per­sön­liche Inter­pre­ta­tion des CoT-Reports zu ver­ringern. Denn der große Nachteil ein­er Inter­pre­ta­tion liegt lei­der darin, dass sie immer davon abhängt, welche Mei­n­ung man ger­ade hat. An der Börse erzielt man jedoch dann bessere Ergeb­nisse, wenn man die eigene Mei­n­ung durch etwas erset­zen kann, was aus Schwarz oder Weiß beste­ht, während die eige­nen Inter­pre­ta­tio­nen nur grau sind.


Wie wird der CoT-Index berech­net?

Die Formel für den CoT-Index lautet wie fol­gt:

Für ein besseres Ver­ständ­nis betra­cht­en wir die einzel­nen Kom­po­nen­ten der Formel und set­zen Zahlen aus dem CoT-Report ein. Nehmen wir hierzu erneut den CoT-Report auf Gold, um dem roten Faden zu fol­gen. Wir bedi­enen uns hier­bei des alten CoT-Reports. Im neuen CoT-Report wird das Ergeb­nis einen anderen Wert liefern, auf­grund der detail­liert­eren Darstel­lung des neuen Reports.

Die gegen­wär­tige Net­topo­si­tion erhal­ten wir aus dem CoT-Report auf der Seite der CFTC. Die Dat­en aus der Kurz­form des alten CoT-Reports sehen somit wie fol­gt aus (ohne Optio­nen):

Quelle: www.cftc.gov

Somit beträgt die gegen­wär­tige Net­topo­si­tion: 96.115 – 267.131 = -171.016 Kon­trak­te

Kom­men wir nun zu den Min­i­mum- und den Max­i­mum-Posi­tio­nen. Woher kom­men diese Dat­en? Sie kom­men aus den ver­gan­genen CoT-Bericht­en, welche sich inner­halb eines Betra­ch­tungszeitraums befind­en.

Die Frage lautet nun, welchen Zeitraum betra­cht­en wir? In der Prax­is hat sich ein Stan­dard­w­ert von 3 Jahren etabliert. Dies kommt daher, dass Stephen Briese und Lar­ry Williams, welche den CoT-Report zusam­men entwick­elt haben, ursprünglich eine Daten­ba­sis benötigt haben, um bei der Entwick­lung zu exper­i­men­tieren. Die Dat­en haben sie von einem guten Fre­und namens Cur­tis Arnold erhal­ten, der zu den Pio­nieren der CoT-Forsch­er zählt. “Zu dem Zeit­punkt hat­te Cur­tis Arnold nur Dat­en der let­zten drei Jahre”, so Stephen Briese. Aus diesem Grund ist der Zeitraum von 3 Jahren ent­standen und hat sich bis heute erhal­ten.

Stephen Briese betont jedoch in seinem Buch “The Com­mit­ments of Traders Bible”, dass der Zeitraum von 3 Jahren nicht unbe­d­ingt opti­mal sein muss und, dass jed­er Trad­er sich im Laufe der Zeit eigene, per­son­al­isierte Peri­o­den entwick­eln sollte. Beispiel­sweise weiß ich, dass manche Trad­er die Peri­ode von 3 Jahren her­anziehen und zusät­zlich eine Peri­ode von 6 Monat­en, um die Sig­nale miteinan­der zu ver­gle­ichen. Wir bleiben in unserem Beispiel bei dem Zeitraum von 3 Jahren und holen uns dazu einen CoT-Report in Chart­form her­an.

Quelle: www.barchart.com

Fol­gt man den Angaben auf barchart.com, so sieht man, dass Gold eine Min­i­mal­po­si­tion (d.h. einen Tief­punkt) am 11. Juli 2016 hat­te. Hier waren die Com­mer­cials mit -325.452 Kon­trak­ten Short posi­tion­iert.

Die Max­i­mal­po­si­tion hat­ten sie dage­gen am 30. Novem­ber 2015. Hier waren sie mit -2.911 Kon­trak­ten Short posi­tion­iert.

Nun, da wir alle Dat­en haben, fol­gt der Über­sichtlichkeit hal­ber eine Zusam­men­stel­lung aller Dat­en und anschließend eine Berech­nung des CoT-Index­es

Gegen­wär­tige Net­topo­si­tion: -171.016
Max­i­mum-Posi­tion: -2.911
Min­i­mum-Posi­tion: -325.452

Hier noch ein­mal die Formel zur Wieder­hol­ung:

Berech­nung:
Zunächst die Werte ober­halb des Bruchs: -171.016 – (-325.452) = 154.436
Anschließend die Werte unter­halb des Bruchs: -2.911 – (-325.452) = 322.541

Set­zen wir nun die Ergeb­nisse in der Formel zusam­men und erhal­ten:
100 x (154.436 / 322.541) = 47,88 %

Betra­chtet man die Sache genauer, wird deut­lich, dass der aktuelle Wert zu den Extremw­erten eines ver­gan­genen Zeitraums in Bezug zueinan­der geset­zt wird und aus diesem Grund erwäh­nte ich bere­its, dass der CoT-Index gewis­ser­maßen wie ein Implied Volatil­i­ty Rank funk­tion­iert.

Wie wird der CoT-Index eingesetzt, um das Trading zu verbessern?

Was sagt uns die Zahl 47,88 nun aus? Zunächst nicht viel, denn man muss natür­lich wis­sen, ab wann sie als ein Extremw­ert gilt.

Dazu berufe ich mich erneut auf die Pio­niere des CoT-Reports: Stephen Briese und Lar­ry Williams. Auch wenn die bei­den den CoT-Index gemein­sam entwick­elt haben, so gehen hier die Mei­n­un­gen der bei­den auseinan­der.
Stephen Briese sagt fol­gen­des: Wenn der CoT-Index einen Wert von 90% und mehr erre­icht, dann bedeutet es, dass die Com­mer­cials extrem bull­ish posi­tion­iert sind und in diesem Fall sollte man die Charts nach Ein­stiegspunk­ten zum Kauf prüfen. Warum? Weil die Com­mer­cials antizyk­lisch han­deln. Und wenn sie extrem bull­ish sind, dann bedeutet es, dass der Trend entwed­er unter­brochen wer­den oder gar drehen kön­nte.

Die Beto­nung liegt auf “kön­nte”. Denn die Com­mer­cials wis­sen natür­lich, dass sie von allen Seit­en beobachtet wer­den und beobacht­en ihrer­seits die anderen Mark­t­teil­nehmer. Aus diesem Grund kann eine Extrem­po­si­tion auch eine psy­chol­o­gis­che Finte der Com­mer­cials sein. Mehr über das Ver­hal­ten der Com­mer­cials kön­nt Ihr in diesem Beitrag erfahren.
Erre­icht der CoT-Index dage­gen einen Wert von 5% oder weniger, dann sind die Com­mer­cials extrem bear­ish posi­tion­iert und in diesem Fall sollte man erneut die Chart- oder die Mark­t­tech­nik anwen­den, um nach Short-Ein­stiegen zu suchen.

Lar­ry Williams sagt in seinem Buch, dass man bere­its ab 80% und manch­mal auch ab einem Wert von 75% nach Kaufsig­nalen suchen kann und nach Verkauf­ssig­nalen ab einem Wert von unter 20%

Bei­de Aus­sagen sind sicher­lich legit­im und es ist jedem Trad­er selb­st über­lassen, welch­er Empfehlung er / sie fol­gen möchte. Denn das ist im Grunde uner­he­blich. Vielmehr kommt es darauf an, den CoT-Index in der Prax­is einzuset­zen und zu beobacht­en. Denn jed­er Trad­er hat seinen eige­nen Stil und manch­mal passt die eine Empfehlung bess­er als die andere. Darüber hin­aus wird jed­er Trad­er im Laufe der Zeit sich seine eigene Strate­gie zurecht­basteln und seinen eige­nen CoT-Werten fol­gen.


Nachteile des CoT-Index

Jede Medaille hat zwei Seit­en und man darf die Nachteile nicht aus den Augen ver­lieren.

Ein­er der Nachteile liegt darin, dass auch der CoT-Index nicht der Heilige Gral ist und man auch damit keine 100%-igen Tre­f­fer erzie­len kann. Es kommt eben noch auf andere Fak­toren an (Stich­punkt Mark­t­tech­nik & Chart­tech­nik). Mit anderen Worten, der Ein­satz des CoT-Index lohnt sich eher, wenn man ihn mit anderen Tech­niken kom­biniert.

Des Weit­eren hat der CoT-Index eine Schwäche in Aufwärt­strends. Hier liefert er oft Extremw­erte, die viel zu früh erfol­gen. Ander­er­seits kann dies auch als eine Art Stärke aufge­fasst wer­den. Denn wenn der Bul­len­markt die Extremw­erte (d.h. 90% und mehr) ignori­ert, dann ist es eine Art Bestä­ti­gung, dass der Bul­len­markt noch weit­er laufen wird. Das gle­iche gilt auch für Bären­mark­te, d.h. Abwärt­strends.

Zusam­men­fas­sung

  • Der CoT-Index ist kein Tim­ing-Tool, son­dern er soll als eine Art Ampel ver­standen wer­den
  • Liefert er bes­timmte Werte, “leuchtet die Ampel auf” und dann sollte man sich der Chart- oder Mark­t­tech­nik wid­men, um Ein­stiegspunk­te zu suchen. Wer­den keine Ein­stiegspunk­te gefun­den, sollte man abwarten
  • Diese bes­timmten Werte find­en sich in den Extremw­erten wieder. Werte, die irgend­wo dazwis­chen liegen, sind nicht beson­ders aus­sagekräftig
  • Die CoT-Analyse mith­il­fe des CoT-Index erset­zt nicht die tech­nis­che Analyse, son­dern sie unter­stützt sie
  • Der größte Vorteil des CoT-Reports, des CoT-Index­es und ander­er Werkzeuge rund um das The­ma CoT liegt darin, dass diese Dat­en eine andere Art von Dat­en und von Sig­nalen liefern als klas­sis­che Indika­toren aus der Chart­tech­nik. Denn viele Indika­toren besitzen Ähn­lichkeit­en in der Funk­tion­sweise und sind teil­weise redun­dant
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