CoT-Report: Die Swap Dealer als die unsichtbare Kraft

Hal­lo Leute,
kom­men wir zu der let­zten Grup­pierung im CoT-Report, den Swap Deal­ern. Im alten CoT-Report waren sie noch nir­gend­wo expliz­it gelis­tet, son­dern waren ein Bestandteil der Com­mer­cials. Seit 2009 wer­den sie im Rah­men der Wall Street – Reform unter ein­er eige­nen Posi­tion im Report geführt. Hierzu hat die Com­mod­i­ty Futures Trad­ing Com­mis­sion (CFTC) ihre Mitar­beit­er aufge­fordert, sich Gedanken zu machen, wie man die Swap Deal­er im kün­fti­gen CoT-Report unter­brin­gen kann. Was war die Ursache dafür und was sind über­haupt Swaps?

Was sind Swaps?

Es würde den Rah­men spren­gen, auf dieses The­ma im Detail einzuge­hen. Denn das Haupt­the­ma dieser Beitragsrei­he ist der CoT-Report und seine Instanzen. Aus diesem Grund fol­gt hier eine Kurz­erk­lärung.
Swaps sind nichts anderes als ein Tausch von Zahlun­gen und eine Art von Absicherungsin­stru­ment. Ein konkretes Beispiel: ein Unternehmen in Europa hat Verbindlichkeit­en in den USA. Ein amerikanis­ches Unternehmen hat wiederum Verbindlichkeit­en in Europa. Um die Schulden in sein­er eige­nen Währung zu begle­ichen, kön­nen die bei­den Unternehmen die Verbindlichkeit­en ein­fach tauschen. Das US-Unternehmen bezahlt die Schulden des europäis­chen Unternehmens auf dem US-Boden in Dol­lar und das europäis­che Unternehmen bezahlt die Schulden des US-Unternehmens in Euro im europäis­chen Raum. Das, was noch aus­geglichen wer­den muss, sind die Zin­sun­ter­schiede zwis­chen den Währun­gen. Der Vorteil ist, dass die bei­den Unternehmen in ihrer eige­nen Währung zahlen kön­nen und sparen somit Kosten, die beim Währungstausch etc. entste­hen. Dies war ein Beispiel für einen Zins-Swap.

Neben den Zins-Swaps gibt es noch einige andere Arten von Swaps, zum Beispiel die Kred­i­taus­fall-Swaps namens CDS, die eine ziem­lich kom­plizierte Erfind­ung sind und die nur Math­e­matik-Fach­leute im Detail durch­blick­en. Diese Art von Swaps sind eine Art von Ver­sicherung gegen Unternehmensin­sol­ven­zen und sie sind eigentlich ein sin­nvolles Pro­dukt. Genauer gesagt, sind es Absicherun­gen gegen Kred­i­taus­fälle. Wenn ein Unternehmen ein Kred­it aufgenom­men hat und pleite geht, kann es den Kred­it nicht zurück­zahlen. An dieser Stelle springt eben das Pro­dukt CDS ein und die Bank, die den Kred­it vergeben hat, kann ihn sich vom Still­hal­ter (also dem, der den Swap verkauft hat) holen.


Die Beson­der­heit von allen Swaps ist, dass sie auss­chließlich über den Tre­sen gehan­delt wer­den und nicht an der Börse. Im englis­chen sagt man dazu “over the coun­ter” oder abgekürzt OTC. Dabei han­delt es sich um Verträge zwis­chen pri­vaten Parteien, die indi­vidu­ell ver­han­del­bar sind. An der Börse gibt es hinge­gen fes­te Regeln, wie etwas zu han­deln ist und der Markt ist so ziem­lich trans­par­ent.

Warum wur­den die Swap Deal­er in den CoT-Report aufgenom­men?
Der Han­del mit den Swaps, ins­beson­dere mit den CDS gilt als ein­er der Grün­de für die Finanzkrise 2008. Ob es wirk­lich so war, darüber stre­it­en sich die “Fach­leute” bis heute. Fakt war jedoch, dass die CDS, die ja eigentlich etwas Gutes waren, von den Banken mißbraucht wur­den. Was ist passiert? Es war so, dass auch Speku­lanten diese Swaps gekauft haben, ohne ein Kred­it vergeben zu haben.
Denn wenn man glaubte, dass ein Unternehmen pleit­ege­hen kön­nte, der hat ein­fach ein paar Ver­sicherun­gen, also CDS gekauft. Die Sache war die, dass solange es sich noch nicht herumge­sprochen hat, waren diese Swaps gün­stig. Kam es tat­säch­lich zur Insol­venz, wur­den diese Swaps plöt­zlich ganz teuer und die Banken kon­nten die CDS teuer verkaufen und so fet­te Gewin­ne ein­fahren.
Das ist aber nicht der sprin­gen­de Punkt. Der Punkt war der, dass im Falle ein­er Insol­venz diejeni­gen, die einen Swap besaßen, einen Anspruch auf die Erstat­tung des Kred­its hat­ten, obwohl sie im Härte­fall nicht einen einzi­gen Kred­it vergeben haben. Dies war möglich, weil der Markt eben unreg­uliert war (rein­er OTC-Han­del) und es mehr Swaps im Umlauf waren als tat­säch­lich abgeschlossene Kred­itverträge. Der Han­del selb­st kon­nte in Winde­seile per Tele­fon oder Mail abgewick­elt wer­den und die Kurslis­ten wur­den mal eben kurz per Mail verteilt. Dabei wur­de nicht mit Mil­liar­den, son­dern Bil­lio­nen jongliert!
Dies führte dazu, dass die CDS zu Zock­er­pa­pieren degradiert wur­den und irgend­wann ver­loren die Banken die Über­sicht, wer über­haupt diese Swaps besaß.

Um die Öffentlichkeit vor solchen Maßlosigkeit­en zu schützen, beschloss die CFTC 2009 im Rah­men der Wall Street Reform, des soge­nan­nten Dodd-Frank Act, die Swap Händler in den CoT-Report aufzunehmen, um die Mark­t­trans­parenz zu steigern.

Wer dominiert den Swap-Markt?
Wer den Swap Markt dominiert, kann man auf der Seite der amerikanis­chen Behörde namens “Office of the Comp­trol­ler of the Cur­ren­cy” nach­schauen (Abgekürzt: OCC). Bei der OCC han­delt es sich um eine Stelle der Bun­desver­wal­tung der USA und zu ihren Auf­gaben zählt die Überwachung des US-amerikanis­chen Kred­itwe­sens, die Kon­trolle der Zahlungs­fähigkeit der US-Kred­itin­sti­tute usw. Die OCC veröf­fentlicht regelmäßig eine Sta­tis­tik mit den Banken, die im Derivatengeschäft (vor allem Swaps) tätig ist. Diese Lis­te ist auf dieser Seite der OCC öffentlich ein­se­hbar. In der Abbil­dung sehen Sie einen kleinen Auss­chnitt des Gesamt­bericht­es.

Quelle: www.occ.gov

Betra­chtet man die Lis­te, so sieht man, dass zwar etliche Geld­häuser darauf ste­hen. Den Löwenan­teil am Kuchen teilen sich jedoch nur 4 Banken: JPMor­gan, Citibank Nation­al, Gold­man Sachs und die Bank of Amer­i­ca. Erst danach fol­gt ziem­lich abgeschla­gen Wells Far­go und die anderen Banken. Die Wer­tangabe ist in Mil­lio­nen angegeben und so sieht man, dass alleine JPMor­gan im Sep­tem­ber 2016 51 Bil­lio­nen (also 51 Mil­lio­nen Mil­lio­nen) nur im OTC-Bere­ich ver­wal­tet hat! Nur zum Nach­denken: eine Bil­lion ist eine Eins mit 12 Nul­len dahin­ter…
Wen wun­dert es da noch, dass die CFTC unbe­d­ingt woll­te, dass die Swap Deal­er in den CoT-Report aufgenom­men wer­den soll­te. Aus diesem Grund soll­ten wir bei unseren Betra­ch­tun­gen des CoT-Reports nicht nur die Com­mer­cials und die Großspeku­lanten, son­dern auch die Swap Deal­er im Auge behal­ten, was uns dank der CFTC seit 2009 möglich ist.

Was macht die ISDA?

Auch wenn der Han­del mit den Swaps nicht über eine Börse geschieht, gibt es den­noch gewis­se organ­isatorische Struk­turen. Es existiert eine Han­del­sor­gan­i­sa­tion namens Inter­na­tion­al Swaps and Deriv­a­tives Asso­ci­a­tion (kurz. ISDA), die im Jahr 1985 gegrün­det wur­de. Über diese Instanz organ­isieren sich die OTC-Teil­nehmer nicht nur, son­dern auch deren Inter­essen wer­den über diese Organ­i­sa­tion vertreten.
Eines dieser Inter­essen ist zum Beispiel, dass es der ISDA und allen Swap Deal­ern ein Dorn im Auge ist, dass die Swap Deal­er im CoT-Report aufge­lis­tet wer­den. Warum? Wegen der 51 Bil­lio­nen, die JPMor­gan ver­wal­tet, wegen all den Unsum­men, die andere Banken im OTC-Bere­ich ver­wal­ten. Bei solchen Geld­be­trä­gen lassen sich die Banken nur ungern in die Karten blick­en; schließlich han­delt es sich alle­samt um Prof­i­tun­ternehmen, die Geld ver­di­enen wol­len.


Wenn Sie mehr über den CoT-Report erfahren möcht­en, dann kann ich ihnen die Bücher von Lar­ry Williams und Stephen Briese empfehlen. Inter­essieren Sie sich für den Option­shan­del und möcht­en Sie dieses Handw­erk erler­nen? Dann schauen Sie doch in meinen Empfehlungs­bere­ich und find­en Sie dort nüt­zliche Lit­er­atur zum The­ma Option­shan­del, Börse und Invest­ment.

Zusam­men­fas­sung

  • Die Swaps wer­den auss­chließlich über den Tre­sen (Over the Coun­ter) gehan­delt
  • Bis zur Finanzkrise waren die Swaps völ­lig unreg­uliert und ihnen wird nachge­sagt, dass sie an der Finanzkrise mit­beteiligt waren
  • Die Reg­ulierung dieser Derivate erfol­gte im Rah­men der Wall Street Reform (Dodd-Frank Act)
  • Seit 2009 wer­den die Swap Deal­er im CoT-Report als eine eigene Instanz aufge­lis­tet, um auch hier eine gewis­sen Trans­parenz zu gewährleis­ten
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