CoT-Report: Die Non-Reportables als schlechte Performer?

Hal­lo Leute,
nachdem wir uns die Com­mer­cials und die Großspeku­lanten angeschaut haben, wid­men wir uns nun den nicht meldepflichti­gen Mark­t­teil­nehmern oder wie sie im alten CoT-Report heißen, den non-reporta­bles (auch small spec­u­la­tors genan­nt). Hier­bei han­delt es sich um diejeni­gen Mark­t­teil­nehmer, welche sich unter­halb des soge­nan­nten “reportable lim­its” bewe­gen und somit als Kleinan­leger bzw. Klein­trader gel­ten, wobei ich der Mei­n­ung bin, dass dies nicht ganz kor­rekt ist. 

Quelle: www.barchart.com

Die non-reporta­bles sind im alten Bericht ein fes­ter Bestandteil der Daten­er­he­bung und sie wer­den auch als solche expliz­it aus­gewiesen, siehe Abbil­dung. Im neuen CoT-Report find­et man die soge­nan­nten Klein­trader oder Klein­speku­lanten nur noch indi­rekt wieder. Um zu wis­sen, wie groß der Anteil an non-reporta­bles ist, muss man das soge­nan­nte Open Inter­est aller meldepflichti­gen Mark­t­teil­nehmer zusam­men­zäh­len und vom Gesamt-Open Inter­est abziehen. Die Zahl, die übrig bleibt, kann der nicht meldepflichti­gen Grup­pe zuge­ord­net wer­den.

Warum sind die Kleintrader nicht immer klein?

Wie Sie aus den CFTC erfahren haben, gibt die CFTC vor, ab wann man seine offe­nen Pos­tio­nen melden muss. Beispiel­sweise beträgt dieses soge­nan­nte reportable lim­it bei Erdöl 350 Kon­trak­te1). Erst ab dieser Größe muss ein Trader seine Posi­tio­nen offen­le­gen. Was ist aber wenn er nur 100 Posi­tio­nen offen hält? Ist er dann ein Klein­speku­lant? Per Def­i­n­i­tion schon! Doch schauen wir uns als Beispiel Erdöl an. Ein Kon­trakt auf Erdöl umfasst 1000 Bar­rel und wenn ein Bar­rel 40,- Dol­lar kostet, dann ist ein Kon­trakt 40.000,- Dol­lar wert. Wenn ein pri­vater Trader also 100 Kon­trak­te offen hat, dann sind es 4 Mil­lio­nen Dol­lar! Da stellt sich die Frage, wie viele von uns so viel Geld haben? Ich denke, nur die wenig­sten. Aus diesem Grund kann die Beze­ich­nung der CFTC small spec­u­la­tor manch­mal irreführend sein. Daher finde ich, dass die Beze­ich­nung non-reportable besser passt.

Daraus lassen sich zwei Erken­nt­nis­se ableit­en.
Erstens: Auf­grund dessen, dass die Kleinen nicht immer klein sind, haben wir hier eine höch­st inho­mo­gene Grup­pe. Denn es lässt sich nicht ein­deutig sagen, wer wirk­lich klein ist und wer nur die Meldepflicht nicht erre­icht hat und nur aus diesem Grund nicht als Großspeku­lant gilt.
Zweit­ens: auf­grund von “erstens” kön­nen wir auch nicht ganz klar sagen, ob die Klein­speku­lanten grund­sät­zlich zyk­lis­ch oder antizyk­lis­ch han­deln.

Warum gelten die non reportables als ständige Verlierer?

Die soge­nan­nten small spec­u­la­tors wer­den unter den Profis als die am meis­ten unin­formierte Grup­pe beze­ich­net. Es scheint, als liegen sie fast immer falsch. So sind sie meis­tens dann am höch­sten Short, wenn die Kurse ihren Tief­punkt erre­icht haben und am meis­ten Long wenn der Hoch­punkt erre­icht ist und der Trend wieder wech­selt. Aus diesem Grund nutzen einige der pro­fes­sionel­len Händler die Posi­tio­nen der Klein­speku­lanten als einen Con­tra-Indika­tor. Andere wiederum ignori­eren die Posi­tion­ierun­gen der nicht meldepflichti­gen Mark­t­teil­nehmer im CoT-Report völ­lig, weil sie sie als irrel­e­vant betra­cht­en.

Selb­st Lar­ry Williams schreibt in seinem Buch Trade Stocks & Com­modi­ties with the Insid­ers, dass wir nur das Gegen­teil von dem zu tun brauchen, was die Klein­speku­lanten ger­ade tun. Gle­ichzeit­ig kor­rigiert er sich jedoch wieder und sagt, dass nicht alle der Klein­trader Ver­lus­te an der Börse erzie­len, son­dern die, die auf der Jagd nach dem schnel­len Geld sind und nicht wis­sen, wie das Spiel funk­tion­iert. Wom­it er recht hat und man hier unter­schei­den muss. Denn die pauschale Aus­sage, dass die Kleinen immer die Ver­lier­er sind, stimmt nicht.

Es stimmt, die meis­ten der pri­vaten Trader ver­lieren Geld weil sie sich mit dem The­ma Börse nur ober­fläch­lich beschäfti­gen und auf der Suche nach dem Jack­pot emo­tion­al han­deln. So funk­tion­iert die Börse aber nicht.
Diejeni­gen, die Geld mith­il­fe der Börse ver­di­enen wol­len, müssen der Real­ität ins Auge sehen, dass das Trad­ing (mit welchen Pro­duk­ten auch immer) ein Job wie jed­er andere ist, egal ob haupt­beru­flich oder neben­beru­flich. Auch hier muss man viel Ler­nen, bevor man die Früchte seine Arbeit­et ern­tet.

Das eigentliche Ziel beim Trad­ing ist es, dauer­hafte Ein­nah­men an der Börse zu erzie­len. Die Beto­nung liegt auf “dauer­haft” und hier liegt der Unter­schied zum Jack­pot. Den Jack­pot gewin­nt man vielle­icht nur ein­mal im Leben oder vielle­icht auch gar nicht. Hat man ihn gewon­nen, so set­zt man sich gewöhn­lich zur Ruhe; zumin­dest ist das die Vorstel­lung der meis­ten von uns. Dauer­haft Ein­nah­men zu erzie­len bedeutet jedoch, dass man sich Tag für Tag mit dem The­ma Börse, Trad­ing, Optio­nen usw. beschäftigt und regelmäßig bes­timmte Beträge ein­nimmt, die KEIN Jack­pot sind.

Die Frage ist nun, was heißt regelmäßig und in welcher Höhe belaufen sich die Ein­nah­men? Die Antwort lautet: das liegt ganz bei Ihnen! Es hängt davon ab, wie gut Sie im Trad­ing sind und wie groß Ihr Kon­to ist. Jemand, der 10.000,- Dol­lar zur Ver­fü­gung hat, kann im Monat 10 Trades im Ein­nah­men schließen. Jemand, der 100.000,- Dol­lar zur Ver­fü­gung hat, kann eben­falls 10 Trades im Gewinn schließen, doch die Ein­nah­men wären höher. Aus diesem Grund kann man hier keine pauschale Antwort geben. Als Beispiel, wie es mit einem 10-tausender Kon­to ausse­hen kön­nte, führe ich derzeit in mein­er Rubrik Trades mit Echt­geld ein prak­tis­ches Exper­i­ment zum The­ma Option­shan­del durch. Dort veröf­fentliche ich meine Ergeb­nis­se ein­mal in der Woche und Sie kön­nen ein­se­hen, was in der Prax­is mit solch ein­er Kon­togröße möglich ist. Schauen Sie dort ruhig regelmäßig vor­bei.

Doch auf­grund der Inho­mogen­ität der Grup­pe der Klein­speku­lanten kann man nicht pauschal sagen, dass die Kleinen immer falsch liegen. Denn die, die nur die Meldepflicht nicht erre­icht haben, sind an der Börse sehr wohl erfol­gre­ich. Zumin­dest gehe ich davon aus. Denn wer 100 Kon­trak­te offen hat und 4 Mil­lio­nen in Erdöl-Futures “steckt”, der / die wird es sicher­lich nicht tun, weil er / sie von der Materie keine Ahnung hat.

Von den Kleinspekulanten im CoT-Report profitieren

Da wir nun wis­sen, dass der Anteil an den Klein­speku­lanten an der Börse ziem­lich ger­ing ist und, dass sie nur zum Teil klein sind, ist es schwierig, diese Grup­pe ein­deutig einzuord­nen und so kön­nen wir im CoT-Report nur in ein­er Sit­u­a­tion von ihnen prof­i­tieren. Dies ist immer dann der Fall, wenn sie extreme Posi­tio­nen auf­bauen. Anson­sten kann ihr Engage­ment ver­nach­läs­sigt wer­den.

Noch ein inter­es­san­ter Fakt über die Klein­trader:
Je beliebter ein Markt, desto mehr Klein­speku­lanten tum­meln sich dort. Beispiel­sweise find­en sich viel mehr Klein­trader in den T-Bonds, Erdöl oder den Währun­gen wieder als im Holz, Kakao, Orangen­saft oder gar Leben­drind. Aus diesem Grund funk­tion­ieren die CoT-Daten hin­sichtlich der non reporta­bles im Holz, Kakao usw. nicht mehr so richtig. Je beliebter der Markt, desto zuver­läs­siger wer­den wiederum die Sig­nale. Aus diesem Grund soll­ten wir die Klein­trader eher mit Vor­sicht genießen und von Markt zu Markt unter­schei­den. Vor allem ist es wichtig, die his­torischen Daten des CoT-Reports zu betra­cht­en. Doch dies ist ein anderes The­ma und wir sein­erzeit in einem der kom­menden Artikel erscheinen.

Zusammenfassung

  • Die Klein­trader bzw. Klein­speku­lanten (non-reporta­bles) sind nur per Def­i­n­i­tion klein. In Wahrheit gibt es unter ihnen auch große Speku­lanten, die lediglich die Meldepflicht nicht erre­icht haben
  • Aus diesem Grund sind die Klein­trader eine inho­mo­gene Grup­pe
  • Viele Profis benutzen die Posi­tion­ierun­gen der non reporta­bles als einen Gegenindika­tor oder ignori­eren sie völ­lig
  • Auch wenn die meis­ten der Klein­trader Ver­lus­te erzie­len, befind­en sich und ihnen sehr wohl solche, die prof­ita­bel sind
  • Die Posi­tion­ierung der non-reporta­bles kann im CoT-Report ver­nach­läs­sigt wer­den, es sei denn, sie bauen Extrem­po­si­tio­nen auf. In diesem Fall lohnt es sich, auch auf diese Grup­pe ein Auge zu wer­fen
  • Aus diesem Grund wird im neuen CoT-Report diese Grup­pe nicht mehr expliz­it aus­gewiesen, weil sie auf das Mark­t­geschehen sogut wie keinen Ein­fluss hat
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