CoT-Report: Die Großspekulanten als Trendfolger

Hallo Leute,
nachdem wir uns den Commercials im CoT-Report gewidmet hatten, betrachten wir nun die Großspekulanten oder wie es im alten CoT-Report heißt, die Large Speculators. Wer gehört zu dieser Gruppierung und wie positionieren sie sich? Den Begriff Large Speculators bzw. Großspekulanten werde ich, wie bei den Commercials, als einen Oberbegriff verwenden. Denn die CFTC wirft im neuen CoT-Report nicht mehr alle Spekulanten in einen Topf, sondern unterscheidet zwischen unterschiedlichen Gruppen und bezeichnet diese Marktteilnehmer nunmehr entweder als the buy-side of the market (Finanzmärkte) oder als the money manager (Nichtfinanzmärkte).

Wer sind die Großspekulanten?

Im vorherigen Beitrag haben wir gelernt, dass die Commercials nicht aus Profitgründen an die Börse gehen, sondern aus Gründen der Absicherung (Hedging). Der Idealfall sieht vor, dass die Commercials nur untereinander an der Börse handeln. Doch die Realität sieht bekannterweise anders aus und so gibt es eine große Gegenseite zu den Commercials, nämlich die Large Speculators.
Während die Commercials antizyklisch handeln (d.h. sie verkaufen wenn die Preise steigen und umgekehrt), agieren die Großspekulanten rein zyklisch und sie folgen dem Trend. Doch bevor wir uns in das Thema tiefer begeben, sollten wir zunächst definieren, wer zu den Großspekulanten gehört:

Während es bei den Commercials recht einfach ist, da sie die Rohstoffe oder die Ware physisch besitzen, ist es bei den Spekulanten nicht so recht einfach. Denn eigentlich jeder von uns kann per Definition ein Großspekulant sein, sobald er die Voraussetzungen erfüllt, die von der CFTC festgelegt wurden (das sogenannte reportable limit).

D.h. wir müssen eine bestimmte Anzahl an offenen Kontrakten halten (Optionen und / oder Futures) und schon gelten wir als Großspekulant. Nur zum Vergleich, wieviel Geld man in diesem Fall besitzen müsste: Dazu sehen wir uns Erdöl (Crude Oil) an:

Ein Kontrakt des Crude Oil beinhaltet 1000 Barrel (also Ölfässer). Wenn ein Barrel an der Börse, sagen wir, 40,- Dollar kostet, dann ist ein Erdöl-Kontrakt 40 TSD Dollar wert. Lt. CFTC muss man seine Positionen publik machen, sobald man 350 Kontrakte offen hält. Da können Sie sich ausrechnen, welche Geldsummen diese Gruppierung bewegt.

Die CFTC unterscheidet im alten CoT-Report nicht zwischen den einzelnen Large Speculators. Im neuen Report gibt es jedoch eine Differenzierung und so finden wir dort die Asset Manager, die Leveraged Funds und die Other Reportables (siehe Beitrag “Was ist CoT“). Bei diesen Teilnehmern handelt es sich allesamt und die sogenannte buy-side of the market. Die Swap Dealer gehören unter anderem auch dazu. Auf diese Börsenteilnehmer werde ich in einem anderen Beitrag eingehen.

Kommen wir zur Positionierung der Large Speculators

Wenn man solche großen Summen im Markt unterbringen möchte, dann geht das eigentlich immer nur mit dem Trend. Gegen den Trend zu handeln wird für die Spekulanten relativ schwierig, weil wenn sie beispielsweise gegen den Trend handeln, dann würden sie mit ihren großen Orders den Trend permanent kaputt machen und keinen Gewinn erwirtschaften. Wir, die kleinen privaten Trader, wir können mit unseren Minipositionen sogut wie gar nichts ausrichten und daher können wir uns beispielsweise mit Optionen auch mal gegen den Trend positionieren. Bei den Spekulanten funktioniert das Ganze nicht mehr. Aus diesem Grund sind die Großspekulanten immer Trendfolger.
Und da die Commercials überwiegend mehr Short als Long sind, haben wir bei den Spekulanten eine spiegelverkehrte Situation. Sie sind in der Regel mehr Long als Short. Es gibt natürlich auch Situationen, wo sie mehr Short als Long sind, doch dies ist eher die Ausnahme als die Regel.

Quelle: https://www.barchart.com

Betrachtet man nun den CoT-Report als eine Grafik (z. B. auf Erdöl), so sieht man besonders gut, dass die Spekulanten sich zu den Commercials spiegelverkehrt verhalten. Im neuen, detaillierteren CoT-Report (unterer Bereich der Abbildung) ist diese Symmetrie durch die stärkere Differenzierung zwar gestört, doch auch hier sieht man, dass die Big Boys sich Long positionieren, während die Commercials eher mehr Short sind.


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Zusammenfassung

  • Die Großspekulanten oder Large Specs sind, im Gegensatz zu den Commercials, an der Börse aus reinen Profitgründen unterwegs
  • Aufgrund ihrer Größe können sie sich im Markt überwiegend in Trendrichtung positionieren (die kleinen Fonds ausgenommen)
  • Die Spekulanten sind in der Regel mehr Long als Short. Aus diesem Grund werden sie beispielsweise im Finanzmarkt als the buy-side of the market bezeichnet

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